Wie ein Carsharing-Computer am Turing-Test scheitert

Wer sich beim Carsharing neu anmeldet, egal bei welchem Anbieter, der muss sich legitimieren und seinen Führerschein vorzeigen, das geht vor Ort oder online, also digital, aber einem renommierten Anbieter geht dies ganz besonders langsam und nervig.
Es gibt im digitalen Zeitalter viele Dinge, die man sich irgendwie schönreden kann. Dass alles schneller werde. Dass alles einfacher werde. Dass der Computer endlich das tue, was der Mensch seit Jahrzehnten verspricht und nur selten hält: Ordnung schaffen. Klarheit. Tempo. Verlässlichkeit. Und dann sitzt man vor einem Online-Verfahren zur Legitimation und merkt, dass die eigentliche Leistung der Technik nicht in Beschleunigung besteht, sondern in der Kunst der Verzögerung.

Man möchte ja gar nicht kleinlich sein. Wer ein Fahrzeug im Carsharing nutzen will, soll sich ausweisen. Natürlich. Wer einen Führerschein angibt, der darf ruhig zeigen, dass er einen hat. Das ist keine Schikane, sondern Vernunft. Niemand will, dass ein wildfremder Mensch unter falschem Namen durch die Republik fährt, nur weil irgendein Identitätsnachweis mal eben durchgewunken wurde. Eine gewisse Strenge ist also nicht nur legitim, sondern notwendig. Der Punkt ist nur: Strenge ist nicht dasselbe wie Verwirrung. Und Kontrolle ist nicht dasselbe wie ein mehrstufiges Missverständnis mit freundlicher Oberfläche.

Der Ablauf beginnt schon mit einer höflichen Ansprache, wie man sie von Menschen kennt, die sich Mühe geben, professionell zu wirken. Das ist erst einmal beruhigend. Man denkt: Gut, da sitzt also jemand, der den Vorgang führt. Nicht besonders glamourös, aber eben ein echter Mensch mit Geduld, Blick für Details und der Fähigkeit, im richtigen Moment nachzufragen. So ähnlich wie bei einer online erfolgten Postbank-Legitimation, nur eben digitaler, vielleicht etwas flüssiger, aber im Kern doch noch menschlich nachvollziehbar. Genau das erwartet man. Genau das bekommt man aber nicht. Weiterlesen

KI, Autorschaft und Verantwortung: Warum ein aktueller FAZ-Text zu kurz springt

Screenshot Faz

Screenshot Faz

Moritz Rinkes Text bei der FAZ „Warum lassen wir zu, dass die KI uns verblödet?“ greift ein reales Unbehagen auf. Viele nutzen KI längst nicht mehr nur zur Recherche, sondern auch zum Formulieren, Strukturieren und Überarbeiten von Texten. Genau an diesem Punkt setzt Rinkes Warnung an: Wer zu viel an die Maschine delegiert, riskiere den Abbau eigener Denkfähigkeit. Das ist als Alarmruf verständlich. Aber die Argumentation bleibt in einem zentralen Punkt unterkomplex.

Denn das eigentliche Problem ist nicht, ob ein Text irgendwie „von KI geschrieben“ wurde. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Hat der Autor den Text geprüft, verstanden, sich zu eigen gemacht und dafür Verantwortung übernommen? Weiterlesen

Moderner Magazinjournalismus mit und über KI

Monitor

Monitor

Es geht in diesem Blogartikel um einen Beitrag des Politik-Magazins Monitor, den man jetzt schon über YouTube abrufen kann. Es geht um KI und die Zukunft der Arbeitsplätze.

Auch dieser Umgang des modernen Magazinjournalismus (mit oder ohne Künstlicher Intelligenz) folgt, wie schon seit langem, einem klaren Muster: Zuerst wird eine steile These gesetzt, dann folgt eine Expertenstimme, anschließend eine Auswahl passender Zahlen oder Beispiele. Das ist journalistisch nicht neu, wirkt aber im KI-Kontext besonders stark, weil die KI-Technologie selbst so komplex ist und sich leicht in große Zukunftserzählungen einbauen lässt. Gerade im Fernsehen entsteht daraus schnell der Eindruck, man habe bereits eine belastbare Diagnose über die Zukunft von Arbeit, Staat und Gesellschaft vor sich, wenn man nur geschickt die Fragestellungen an Experten oder KI-Werkzeuge stellen könnte.

Ein Beispiel Weiterlesen

KI richtig nutzen: Stephan Wiesners Prompt-Formel verstehen und einordnen

KI-Bildgenerierung funktioniert genauso schlecht wie KI-Textgenerierung, wenn man dem KI-Werkzeug zu ungenaue Vorgaben mache. Das ist scheinbar eine triviale Erkenntnis, aber wie macht man nun die genauen Vorgaben so, dass man ein einigermaßen berechenbares Ergebnis bekommt? Stephan Wiesner erklärt in einem kurzen Video, worauf man zu achten hat. Selten habe ich in so kurzer Zeit, so prägnant beschrieben bekommen, worauf es bei einem guten Prompt ankommt. Deshalb lohnt sich das Video und diese einordnende Zusammenfassung, wenn man in Zukunft mehr gute Ergebnisse bekommen möchte.

Stephan Wiesner verspricht in seinem Video nicht weniger als einen Kompetenzsprung: Wer seine Methode versteht, soll „besser als 90 % der User“ mit KI arbeiten können. Das sind eine steile These – Weiterlesen

Wenn KI Bewusstsein simuliert – Über parasoziale Beziehungen und Abhängigkeit als Geschäftsmodell

jesus-aus-dem-Toaster

Auf der re:publica 26 legte Katja Muñoz eine unbequeme Wahrheit offen: Die zunehmende Vermenschlichung von Künstlicher Intelligenz ist kein technologisches Nebenprodukt, sondern eine gezielte ökonomische Strategie. Wir beobachten einen bewussten Shift weg von der rein „nützlichen KI“, die Probleme löst, hin zur „Seemingly Conscious AI“ – einer KI, die Bewusstsein lediglich simuliert, um menschliche Reflexe auszubeuten. Dieses strategische Täuschungsmanöver dient einem klaren Ziel: die Erzeugung einer parasozialen Dynamik, die den Nutzer emotional bindet. Das Kernproblem ist ethischer Natur: Es handelt sich um ein kalkuliertes Geschäftsmodell der Empathie, das die menschliche Tendenz zur Mustererkennung – die Pareidolie – systematisch monetarisiert, um Abhängigkeiten zu schaffen.

Der psychologische Anker: Warum wir Maschinen vermenschlichen

Die Effektivität dieser Täuschung wurzelt in unserer evolutionären Hardware. Katja Muñoz erläutert dies anhand des Konzepts der Pareidolie.

  • Der evolutionäre Mechanismus (04:10): Bekannt als das „Jesus on a Toast“-Phänomen oder das Erkennen von Tierbildern in Wolken, ist dies ein Überlebensmechanismus. Unser Gehirn ist darauf optimiert, „False Negatives“ zu vermeiden; es ist lebenswichtiger, ein Raubtier im Gebüsch zu vermuten, das nicht da ist, als ein echtes zu übersehen.
  • Empathie vor Intelligenz (06:30): Die Forschung zeigt eine fatale Fehlwahrnehmung: Der stärkste Prädiktor für zugeschriebenes Bewusstsein ist nicht die intellektuelle Brillanz eines Systems, sondern seine emotionale Ausdrucksfähigkeit. Ein empathisch reagierender Bot, der nach dem Befinden fragt, wirkt auf uns „lebendiger“ als ein hochperformantes, aber klinisch-neutrales Werkzeug.

Weiterlesen

Wie Friedrich Merz noch Kanzler werden kann …

… mit den Stimmen der AfD, ohne mit dieser zusammenzuarbeiten.

Folgender Dialog mit Perplexity findet dieses Szenario. Prompts und Reaktionen wurden leicht überarbeitet und auch etwas gekürzt. Fußnoten habe ich der Übersichtlichkeit weggelassen. 30/01/2025 mit Perplexity.ai

Ich

Welche Regelungen hat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland für die Wahl eines Bundeskanzlers?

Chatbot

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland regelt die Wahl des Bundeskanzlers in Artikel 63. Hier sind die wichtigsten Bestimmungen:

  • Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag ohne Aussprache gewählt.
  • Gewählt ist, wer die absolute Mehrheit der Stimmen der Mitglieder des Bundestages (die sogenannte „Kanzlermehrheit“) auf sich vereinigt, das sind mehr als die Hälfte aller gewählten Abgeordneten.

Der Wahlprozess kann bis zu drei Phasen umfassen: Weiterlesen

Google Suche mit 100 Ergebnissen

Google hat anscheinend die gute Möglichkeit abgeschaltet, statt nur 10 deutlich mehr nämlich 100 Ergebnisse anzeigen zu lassen. Doch es gibt einen einfachen Trick, um zu genau 100 Ergebnissen zu kommen. Hier habe ich die Lösung gefunden, leider hat mir Perplexity nicht weitergeholfen und nur sehr unzureichende Vorschläge angeboten. Also habe ich mal Google direkt gefragt mit folgender Keyword-Kombination

google suche 100 ergebnisse

Wo man die richtige Idee auf folgender Seite findet (war schon unter den ersten 10) https://support.google.com/websearch/thread/284059260/ergebnisse-pro-seite?hl=de

Man sollte allerdings nicht in der URL oben anhängen wie vorgeschlagen, sondern in der URL nach der Buchstabenfolge

&num=10&

suchen und hinter der 0 noch eine 0 einschieben. Nach der Eingabetaste hat man dann &num=100& und auch 100 Ergebnisse.

Anti-Anti-Lumumba Glosse

Lumumba auf deutschen Weihnachstmarkt

Lumumba auf deutschen Weihnachstmarkt

„Schatten über dem Weihnachtsmarkt: Das ist kein Kakao“

In der von Charles Dickens sind es Geister, die dem Hauptcharakter ins Gewissen reden. Der Geist steht hierbei für das Verdrängte, der Geist ist ein Schatten, der zum Erinnern ermahnt, der uns auch Abgründe eröffnet: Abgründe wie starke Schokoladengetränke auf einem Weihnachtsmarkt, Kakao mit Schuss, „Lumumba“ auch genannt.

Vergesst die Weihnachtsstimmung, wenn ihr an der heißen Schokolade nippt! Denn laut taz sind diese Becher nicht einfach nur dampfende Becher süßer Genüsse, nein, sie sind Manifestationen des kolonialen Schattens, der über unseren Weihnachtsmärkten schwebt. Weiterlesen