Wenn Bilder fehlen: Wie generative KI den Nachrichtenjournalismus verändert

So sollte man es nicht machen.

So sollte man es nicht machen.

Es ist ein vertrautes Problem im tagesaktuellen Journalismus: Eine wichtige Meldung kommt rein, vielleicht sogar mit lokal hoher Relevanz – aber passendes Bildmaterial fehlt. Fotografen sind nicht vor Ort, Agenturen liefern verzögert, und das eigene Archiv gibt nichts her.

Ein Beispiel: „Die marode Bonner Rheinbrücke wird bis auf Weiteres vollständig für den Verkehr gesperrt.“ Eine relevante Nachricht, die unmittelbare Auswirkungen hat – aber ohne Bild bleibt sie abstrakt. Z.B. bei dem sehr guten Artikel vom Focus: https://www.focus.de/panorama/welt/ab-15-uhr-bonner-nordbruecke-wird-bis-auf-weiteres-voll-gesperrt_3d3f8e57-bbb3-4629-857c-d82817522a59.html sieht man zwar viele Bilder, aber nichts aktuelles und nichts spezifisches.

Genau an dieser Stelle kommt generative KI (Bildgenierung) ins Spiel. Weiterlesen

KI richtig nutzen: Stephan Wiesners Prompt-Formel verstehen und einordnen

KI-Bildgenerierung funktioniert genauso schlecht wie KI-Textgenerierung, wenn man dem KI-Werkzeug zu ungenaue Vorgaben mache. Das ist scheinbar eine triviale Erkenntnis, aber wie macht man nun die genauen Vorgaben so, dass man ein einigermaßen berechenbares Ergebnis bekommt? Stephan Wiesner erklärt in einem kurzen Video, worauf man zu achten hat. Selten habe ich in so kurzer Zeit, so prägnant beschrieben bekommen, worauf es bei einem guten Prompt ankommt. Deshalb lohnt sich das Video und diese einordnende Zusammenfassung, wenn man in Zukunft mehr gute Ergebnisse bekommen möchte.

Stephan Wiesner verspricht in seinem Video nicht weniger als einen Kompetenzsprung: Wer seine Methode versteht, soll „besser als 90 % der User“ mit KI arbeiten können. Das sind eine steile These – Weiterlesen

Bob Blumes „Schule im AI-Slop“ – visionärer Anspruch oder didaktischer Schweinsgalopp?

Ausriss verlinktes YouTube-Video

Ausriss verlinktes YouTube-Video

Am Abend des 19. Mai 2026 um 18:45 Uhr verwandelte sich die Stage 3 der re:publica in ein pädagogisches Laboratorium. Unter dem provokanten Titel „Schule im AI-Slop“ trat Bob Blume – Autor, „Blogger des Jahres“ und mittlerweile Promovierender an der JKU Linz – an, um die digitale Transformation des Bildungswesens zu sezieren. Der Begriff „Slop“ (Slop steht für „KI-generierter Müll“) diente hier als scharfe Metapher für eine Schule, die im Begriff ist, in der Belanglosigkeit automatisierter Inhalte zu versinken. Blume versuchte, die Rolle des kritischen Aufklärers einzunehmen, wobei allerdings der Rahmen ein strukturelles Paradoxon offenbarte: Während er leidenschaftlich für „digitale Souveränität“ und tiefgründige Reflexion plädierte, erforderte das 30-minütige Kurz-Vortragsformat für seine Argumentation eine Geschwindigkeit, die den eigenen Anspruch an Tiefenschärfe fast zwangsläufig unterlaufen musste. Diese Diskrepanz zwischen dem Plädoyer für Entschleunigung und dem tatsächlichen „Schweinsgalopp“ der Performance ist ein Ausgangspunkt meiner kritischen Überlegungen zu einem Vortrag, der mir durchaus gut gefallen haben könnte.

Anmerkung zum Video: Die 3. – 5. Minute kann man überspringen, hier wartet man nur auf das Ende des Experiments.

Blume plante trotz erkennbarer Zeitnot ein gewagten Manöver: Er sprach nicht nur über Unterricht, sondern versuchte, die gesamte Session als performative Unterrichtsstunde zu maskieren.

Das performative Experiment: Didaktik im Schnelldurchlauf

Diese methodisch-didaktische Inszenierung war kein Zufall, sondern ein strategischer Versuch, die eigene Glaubwürdigkeit als Praktiker vor einem fachlich kompetenten und freundlich gesonnenen Publikum zu einem Experiment zu nutzen. Weiterlesen

Bild KI: Person, Situation und Kleidung frei kombinieren

Ein Schritt-für-Schritt-Guide für kostenlose KI-Foto-Generierung

Du hast drei Fotos: eine Person, eine Situation und ein Outfit. Jetzt möchtest du die Person aus Bild 1 in der Situation aus Bild 2 mit der Kleidung aus Bild 3 sehen. Klingt kompliziert? Mit Google Flow https://labs.google/fx/de/tools/flow und Nano Banana 2 ist das schnell erledigt – und das komplett kostenlos.

Was du brauchst

Voraussetzung Details
Google-Konto Kostenlos, keine Zahlungsinformationen nötig
3 Referenzfotos Format egal (quadratisch, hochkant, liegend)
Browser Chrome, Firefox, Safari – nichts Spezielles
Zeit Ca. 5–10 Minuten für erste Ergebnisse

Google Flow ist aktuell weitgehend unbegrenzt nutzbar. Kostenlose Nutzer erhalten tägliche Credits – das reicht für dutzende Bilder generierungen. Weiterlesen

Wenn KI Bewusstsein simuliert – Über parasoziale Beziehungen und Abhängigkeit als Geschäftsmodell

jesus-aus-dem-Toaster

Auf der re:publica 26 legte Katja Muñoz eine unbequeme Wahrheit offen: Die zunehmende Vermenschlichung von Künstlicher Intelligenz ist kein technologisches Nebenprodukt, sondern eine gezielte ökonomische Strategie. Wir beobachten einen bewussten Shift weg von der rein „nützlichen KI“, die Probleme löst, hin zur „Seemingly Conscious AI“ – einer KI, die Bewusstsein lediglich simuliert, um menschliche Reflexe auszubeuten. Dieses strategische Täuschungsmanöver dient einem klaren Ziel: die Erzeugung einer parasozialen Dynamik, die den Nutzer emotional bindet. Das Kernproblem ist ethischer Natur: Es handelt sich um ein kalkuliertes Geschäftsmodell der Empathie, das die menschliche Tendenz zur Mustererkennung – die Pareidolie – systematisch monetarisiert, um Abhängigkeiten zu schaffen.

Der psychologische Anker: Warum wir Maschinen vermenschlichen

Die Effektivität dieser Täuschung wurzelt in unserer evolutionären Hardware. Katja Muñoz erläutert dies anhand des Konzepts der Pareidolie.

  • Der evolutionäre Mechanismus (04:10): Bekannt als das „Jesus on a Toast“-Phänomen oder das Erkennen von Tierbildern in Wolken, ist dies ein Überlebensmechanismus. Unser Gehirn ist darauf optimiert, „False Negatives“ zu vermeiden; es ist lebenswichtiger, ein Raubtier im Gebüsch zu vermuten, das nicht da ist, als ein echtes zu übersehen.
  • Empathie vor Intelligenz (06:30): Die Forschung zeigt eine fatale Fehlwahrnehmung: Der stärkste Prädiktor für zugeschriebenes Bewusstsein ist nicht die intellektuelle Brillanz eines Systems, sondern seine emotionale Ausdrucksfähigkeit. Ein empathisch reagierender Bot, der nach dem Befinden fragt, wirkt auf uns „lebendiger“ als ein hochperformantes, aber klinisch-neutrales Werkzeug.

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Generative Bild-KI mit Nano Banana: Revolution der Bildbearbeitung?

Mit nano banana erzeugt und modifiziert

Mit nano banana erzeugt und modifiziert

Die sogenannte digitale Welt diskutiert aktuell ein Thema, das sprichwörtlich neue Bilder im Kopf entstehen lässt: Mit „Nano Banana“ geht eine neue Generation generativer Bild-KIs an den Start, die die Art der Bildbearbeitung und der visuellen Kommunikation grundlegend verändern könnte. Google DeepMind präsentiert mit Nano Banana (offiziell „Gemini 2.5 Flash Image“) einen Bildeditor, der nicht nur Bilder generieren, sondern ziemlich gut bestehende Fotos modifizieren, das heißt, verändern kann – und dies auf einem Niveau, das bislang scheinbar nur mit aufwendigen Experten-Workflows und teurer Spezialsoftware möglich war. So sieht man es wenigstens bei Heise ...


Was ist generative Bild-KI eigentlich – und warum ist das so wichtig?

Generative Bild-KI ist die Kombination aus „Bilder schaffen“ (generieren) und „Bilder verändern“ (modifizieren): Nutzer geben einen sogenannten Prompt, also eine Aufforderung vor – zum Beispiel ein Stimmungsbild oder eine konkrete Anweisung – und die KI erstellt daraus entweder ein komplett neues Bild oder manipuliert ein existierendes Motiv gezielt nach Wunsch.
Frühere Bildgeneratoren erzeugten zwar schon spektakuläre Ergebnisse, doch die Bearbeitung bestehender Fotos geriet oft ins Surreale. Mit Nano Banana ist die Verschmelzung beider Ansätze gelungen: Figuren, Outfits, Hintergründe, ja sogar Licht und Schatten werden so angepasst, dass die Motive ihren Charakter behalten – selbst nach mehreren Bearbeitungsdurchgängen.


Nano Banana: Warum hat dieses Tool im Moment die Nase vorn?

Das neue Modell von Google wird direkt aus der Gemini-App angesteuert und setzt in Sachen Fotorealismus, Konsistenz und Geschwindigkeit neue Maßstäbe. Nano Banana bietet unter anderem:

  • Prompt-basierte Generierung und Bearbeitung: Du kannst neue Bilder schaffen oder vorhandene realistisch verändern, fast ganz ohne Expertenwissen, die solltest aber wissen, was im Bild geändert werden soll. Es ist also hilfreich Fachbegriffe wie z.B. „golden hour“ zu kennen, aber es geht auch ohne, wenn man sich präzise ausdrücken kann.

  • Iteratives Multi-Turn-Editing: Mehrstufige Bearbeitungen sind möglich, ohne dass Gesichter oder Objekte allzu unnatürlich mutieren. Man arbeitet also Schritt für Schritt und ändert Outfit oder Umgebung von Personen auf den Bildern ab, ohne das die Personen allzu stark anders aussehen. Man darf es aber nicht übertreiben, mit jedem Bearbeitungsschritt, wird das Hauptmotiv etwas unschärfer.

  • Vielfältige Anwendungsfälle: Bewerbungsfotos, Produktvisualisierungen, virtuelle Outfit-Tests, Marketingentwürfe – alles innerhalb weniger Minuten umsetzbar, wenn auch nicht direkt verwendbar. Ich würde deshalb nicht von perfekt sprechen, denn es klappt besser als erwartbar und da man jederzeit mit einem neuen Prompt und guten Ausgangsbildern loslegen kann, ist das Unschärfe-Problem bei allzu vielen Iterationen händelbar.

Nano Banana ist kostenlos für Nutzer von Gemini verfügbar und arbeitet, wie vom Verbraucherschutz gefordert, mit sichtbaren wie unsichtbaren Wasserzeichen, um KI-erzeugte Bilder als solche auszuweisen.


Neue Chancen und damit Demokratisierung der Bildbearbeitung?

Was ehemals Designagenturen und Photoshop-Experten vorbehalten war, liegt jetzt als Power-Tool in der Hand von „jedermann und jeder Frau“:

  • Einfachheit ersetzt komplexe Software – es braucht weder Vorwissen noch Einarbeitung in Profi-Programme, um sofort loslegen zu können. Gut ist derjenige oder diejenige, die mit gutem Deutsch oder Englisch genau sagen können, was sie wollen, was nicht unbedingt dieselben sind, die gut mit Fachbegriffen der Bildbearbeitung hantieren können. Wenn du den folgenden Prompt auf ein passendes Bild anwenden lässt, dann wird Nano Banana versuchen, dass auch umzusetzen.

Ersetze das Bild der Frau auf der Hauswand, setze in die Mitte der Hauswand den Text „Ferrari Schrottplatz“ in einer 20er-Jahre Schrift, mit Neoneffekt , sodass es realistisch in die Szene passt. Außerdem soll es Nacht sein.

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Palantir sieht alles? Ein autoritärer Traum des Silicon-Valley-Marketings

Freitag zu Palantir

Freitag zu Palantir

Im Freitag findet sich ein interessanter Artikel zur Analyse-Software Palantir: https://www.freitag.de/autoren/daniel-kretschmar/palantir-sieht-alles-vom-autoritaeren-traum-totaler-kontrolle. Gute und wichtige Erkenntnisse, aber mit der Überschrift liegt man dem voll im Trend des Silicon-Valley-Marketings: „Palantir sieht alles: Vom autoritären Traum totaler Kontrolle“.

Der Artikel über Palantirs möglichen Einsatz im deutschen „Datenhaus“ impliziert ein wenig beruhigendes Bild einer dystopischen Zukunft mit einer „perfekten Polizei“, die alles weiß und alles vorhersehen kann. Diese Vision verdient Ablehnung – nicht nur aus bürgerrechtlicher Perspektive, sondern auch aus nüchterner technologischer Sicht. Weiterlesen