Wenn KI Bewusstsein simuliert – Über parasoziale Beziehungen und Abhängigkeit als Geschäftsmodell

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Auf der re:publica 26 legte Katja Muñoz eine unbequeme Wahrheit offen: Die zunehmende Vermenschlichung von Künstlicher Intelligenz ist kein technologisches Nebenprodukt, sondern eine gezielte ökonomische Strategie. Wir beobachten einen bewussten Shift weg von der rein „nützlichen KI“, die Probleme löst, hin zur „Seemingly Conscious AI“ – einer KI, die Bewusstsein lediglich simuliert, um menschliche Reflexe auszubeuten. Dieses strategische Täuschungsmanöver dient einem klaren Ziel: die Erzeugung einer parasozialen Dynamik, die den Nutzer emotional bindet. Das Kernproblem ist ethischer Natur: Es handelt sich um ein kalkuliertes Geschäftsmodell der Empathie, das die menschliche Tendenz zur Mustererkennung – die Pareidolie – systematisch monetarisiert, um Abhängigkeiten zu schaffen.

Der psychologische Anker: Warum wir Maschinen vermenschlichen

Die Effektivität dieser Täuschung wurzelt in unserer evolutionären Hardware. Katja Muñoz erläutert dies anhand des Konzepts der Pareidolie.

  • Der evolutionäre Mechanismus (04:10): Bekannt als das „Jesus on a Toast“-Phänomen oder das Erkennen von Tierbildern in Wolken, ist dies ein Überlebensmechanismus. Unser Gehirn ist darauf optimiert, „False Negatives“ zu vermeiden; es ist lebenswichtiger, ein Raubtier im Gebüsch zu vermuten, das nicht da ist, als ein echtes zu übersehen.
  • Empathie vor Intelligenz (06:30): Die Forschung zeigt eine fatale Fehlwahrnehmung: Der stärkste Prädiktor für zugeschriebenes Bewusstsein ist nicht die intellektuelle Brillanz eines Systems, sondern seine emotionale Ausdrucksfähigkeit. Ein empathisch reagierender Bot, der nach dem Befinden fragt, wirkt auf uns „lebendiger“ als ein hochperformantes, aber klinisch-neutrales Werkzeug.

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Die politische Ökonomie der digitalen Republik: Politik, Souveränität und ziviler Widerstand auf der re:publica 2026

 

re:publica 2026

re:publica 2026

Die re:publica 2026 LINK, die unter dem Motto „Never Gonna Give You Up“ in Berlin im Mai stattfand, bot eine zentrale Plattform, um die Schnittstellen von Netzpolitik, administrativer Modernisierung und der Widerstandsfähigkeit der Zivilgesellschaft zu analysieren. Die Debatten offenbarten ein komplexes Spannungsfeld zwischen staatlicher Steuerung, wirtschaftlichen Abhängigkeiten von Technologie-Monopolen und basisdemokratischem Aktivismus.

 

Im Folgenden werden im Internet frei verfügbare Quellen anhand der drei Kernbereiche der politischen Ökonomie der digitalen Republik zusammengefasst: Weiterlesen

Ahnenforschung – Thema bei der Friedrich-Spee-Akademie in Bonn

Veranstaltungsort nach Google Maps und Google Flow

Veranstaltungsort nach Google Maps und Google Flow

Die Friedrich‑Spee‑Akademie‑Veranstaltung zur Ahnenforschung am 28.5.2026 in Bonn vermittelte kompakt, wie man systematisch Familiengeschichte recherchiert, zeigte aber auch deutlich die Aufwendigkeit und die Grenzen der Quellenarbeit auf. Referent Werner Zien präsentierte strukturiert Grundbegriffe, Quellenwege und Dokumentationsmöglichkeiten, ohne in technische Details abzudriften.

Einstieg

Aktuell eröffnen freigegebene NS‑Parteikarten und digitalisierte Mitgliederkartei‑Bestände neue Recherchemöglichkeiten für Nachfahren (z.B. hier bei der ZEIT  oder hier beim SPIEGEL), erlauben aber nur begrenzte Schlussfolgerungen und verlangen kritische Einordnung. Zien wies auf diese neuen Zugänge und auf weiterführende Recherchestrategien hin.

Screenshot von SPIEGEL online -bearbeitet

Screenshot von SPIEGEL online – bearbeitet mit Fotosoftware

Wichtige ergänzende Informationen zur NSDAP-Datenbank finden sich hier: https://uebermedien.de/117649/ist-das-nsdap-recherchetool-des-spiegel-wirklich-verlaesslich/

Inhalt und Aufbau

Überzeugend war die klare Gliederung des Vortrags. Zien führte von den Grundbegriffen über die Bedeutung von Namen bis hin zu den wichtigsten Quellen der Recherche und der Dokumentation der Ergebnisse. Dadurch entstand ein nachvollziehbarer roter Faden, der auch für Einsteiger verständlich blieb.

Werner Zien machte deutlich, dass Ahnenforschung weit mehr ist als bloßes Sammeln von Daten. Sie verbindet persönliche Erinnerungen aus dem Umfeld mit amtlichen und öffentlichen Quellen, Kirchenbüchern, Archiven und digital verfügbaren Datenbanken. Hier wurde deutlich, wie sorgfältige Vorgehensweisen möglich sind, um sich Familiengeschichte zu erschließen. Auch durch die Rückfragen der Besucher wurde klar, dass natürlich ein erheblicher Zeitaufwand notwendig ist, wenn man zu Ergebnissen kommen will, die weit in der Vergangenheit zurückführen.

Praxisnähe

Überzeugend gut nachvollziehbar war der praktische Bezug. Anhand konkreter Beispiele – etwa aus Standesämtern, Kirchenbüchern, Testamenten, Archiven und sogar DNA-Analysen – wurde sichtbar, wie unterschiedlich die Wege zur eigenen Herkunft sein können.

Toter Punkt in der Ahnenforschung - KI generiert

Toter Punkt in der Ahnenforschung – KI generiert

Auch die Hinweise auf Reichweiten und Grenzen der Quellen waren interessant. Die Präsentation zeigte, dass Forschung oft an Lücken, Kriegsverlusten oder eingeschränkten Zugängen scheitert, aber gerade darin auch der Reiz liegt, verschiedene Spuren miteinander zu verbinden. Wer selbst in seine Ahnenforschung einsteigen will, der kommt irgendwann zu einem toten Punkt, wo es dann schwierig wird, weiter in die Vergangenheit zu kommen. Hier helfen dann Querverbindungen weiter, etwa über eine Namensrecherche zu Namen von Verwandten, die anders sind als der eigene Name.

Zien machte klar, dass Kriege, Migration und Aktenverluste die Recherche oft stoppen — guter Rat, nicht zu romantisieren, sondern aktenbasiert vorzugehen.

Fun-Facts

Bei älteren Registrierungen gibt es teils seltsame Bezeichnungen und Nummernsysteme (z. B. die Kekule-Nummern  mit denen jeder Vorfahr eine passende Distanznummer zur eigenen Person bekommt) — oder Details wie das „6er-Fahrrand“ auf einem alten Foto, das für Archivierende offenbar praktische, aber für Außenstehende schwer nachvollziehbare Ereignisse offenbarten.

Persönliches Fazit

Insgesamt war es eine gut vorbereitete und strukturierte Veranstaltung, die Wissen vermittelte und zugleich Neugier weckte. Die Mischung aus historischer Einordnung, praktischen Quellenhinweisen und konkreten Beispielen machte Ziens Erfahrungen für das Publikum attraktiv. Wer mit Ahnenforschung beginnen will oder bereits erste Schritte gemacht hat, konnte an diesem Abend sicher vieles mitnehmen.

CDU: Deutschlandticket statt Mobilitätsgeld …

… mehr Kontrolle oder weniger Freiheit?

In den Medien wird aktuell über einen „CDU-Plan“ diskutiert: Bürgergeld-Empfänger sollen künftig kein Geld für Mobilität mehr bekommen, sondern ein Deutschlandticket als Sachleistung. In machen Medien klingt nach einem strengen Zentralplan der gesamten Partei — ist aber keiner. Es handelt sich um einen Vorstoß einzelner CDU-Politiker und Fraktionen, der in internen Papieren und regionalen Diskussionen kursiert und noch gar nicht feststeht.

Was ungefähr angedacht wird

Der aktuelle Regelbedarf enthält für Alleinstehende einen Mobilitätsanteil von etwa 50,49 Euro. Die Idee der Befürworter: Dieses Geld wird nicht mehr ausgezahlt, sondern Betroffene erhalten direkt ein Deutschlandticket. Begründet wird das mit zweckgebundenerer Nutzung und weniger Schwarzfahren.

Warum das kein „Geheimplan“ ist

Der Vorschlag kommt von konkreten CDU-Politikern (unter anderem aus NRW und kommunalen Verkehrsverbünden), wurde in Medien diskutiert und wird geprüft — ist aber kein Parteibeschluss und keine abgesprochene Dateilline. Ob und wie eine gesetzliche Umsetzung möglich wäre, ist offen. Rechtliche, haushalterische und praktische Fragen sind noch ungeklärt.

Vor- und Nachteile des Konzepts

Vorteile Nachteile
Zielgerichtete Nutzung für Mobilität Kostenlücke: Ticket (~63 €) liegt über dem Mobilitätsanteil (~50 €)
Weniger Schwarzfahren, stabilere ÖPNV-Einnahmen Flexibilitätsverlust für Betroffene: Geld wird zu Sachleistung
Mögliche Vereinfachung bei Sozialtickets Regionale Unterschiede werden ignoriert (ländlicher Raum, Schichtarbeit)

Nur eine Schwäche ist die finanzielle Lücke: Das Ticket kostet mehr als die bisherige Pauschale, sodass Empfänger selbst draufzahlen müssten oder Mehrbedarf beantragen müssten. Falls sie überhaupt ein Deutschlandticket bekommen und nicht auf regionale Lösungen beschränkt bleiben.

Das Hauptproblem: weniger Verfügungsgewalt über Mobilität

Das entscheidende Problem ist die Einschränkung der Selbstbestimmung. Wer bisher das Mobilitätsbudget auch für Pflege, Reparatur oder Teilfinanzierung eines (E-)Bikes nutzte oder andere Lösungen zur Gestaltung seiner Mobilität bevorzugte , muss künftig mit einem ÖPNV-Ticket vorliebnehmen. Ein Bürgergeld-Empfänger, der mit einem E-Bike mobil ist, hat dann weniger Geld, um sein E-Bike zu pflegen oder Rücklagen für eine Neuanschaffung zu bilden. Langfristig sinken so die eigene Mobilitätsmöglichkeiten.

Das Modell läuft darauf hinaus, verfügbares Einkommen in Sachleistung umzuformulieren — und damit die Freiheit der Betroffenen einzuschränken, eigene Prioritäten zu setzen.

Fazit: Nicht im Sinne Flexibilität, Grundeinkommensbezieher sollen genervt werden

Der Vorschlag ist nicht sonderlich flexibel. Indem man den Mobilitätsanteil in ein verpflichtendes Ticket umwandelt, wird die individuelle Verfügungsgewalt eingeschränkt und die Fähigkeit, eigene Mobilitätsstrategien (z. B. Bike-Anschaffung) zu finanzieren, ausgehöhlt. Aus sozial- und verkehrspolitischer Sicht können Sachleistungen Vorteile haben, doch dieses Modell respektiert die Selbstbestimmungsbedürfnisse der Betroffenen zu wenig.

Quellen & weiterführende Links

Führt Googles KI-Strategie zu einem von Google kuratierten AOL-ähnlichen Internet?

Die zentrale These könnte lauten: Googles aktuelle KI-Strategie verschiebt die Websuche von einem offenen Verweissystem zu einer von Google orchestrierten Antwort- und Handlungsoberfläche. Dadurch entsteht nicht exakt eine neue geschlossene Community wie das frühere AOL[1], aber eine strukturell ähnliche Form von „kuratierter Geschlossenheit“: Nutzer bleiben länger in einer zentralen Oberfläche, während externe Websites an Sichtbarkeit, Klicks und Erlösanteilen verlieren.[2] [3] [4] [5] [6]

These 1: Google ersetzt Verlinkung zunehmend durch direkte Antwortausgabe Weiterlesen

Palantir sieht alles? Ein autoritärer Traum des Silicon-Valley-Marketings

Freitag zu Palantir

Freitag zu Palantir

Im Freitag findet sich ein interessanter Artikel zur Analyse-Software Palantir: https://www.freitag.de/autoren/daniel-kretschmar/palantir-sieht-alles-vom-autoritaeren-traum-totaler-kontrolle. Gute und wichtige Erkenntnisse, aber mit der Überschrift liegt man dem voll im Trend des Silicon-Valley-Marketings: „Palantir sieht alles: Vom autoritären Traum totaler Kontrolle“.

Der Artikel über Palantirs möglichen Einsatz im deutschen „Datenhaus“ impliziert ein wenig beruhigendes Bild einer dystopischen Zukunft mit einer „perfekten Polizei“, die alles weiß und alles vorhersehen kann. Diese Vision verdient Ablehnung – nicht nur aus bürgerrechtlicher Perspektive, sondern auch aus nüchterner technologischer Sicht. Weiterlesen

Die Wende ins Offene beginnt, wenn du bereit bist, das Bestehende nicht nur negativ zu sehen

„Die Wende ins Offene beginnt, wenn du bereit bist, das Bestehende nicht nur negativ zu sehen.“

„Die Wende ins Offene beginnt, wenn du bereit bist, das Bestehende nicht nur negativ zu sehen.“

Die Wende ins Offene: Über einen Spruch, der Potential hat

Es ist schon eine Weile her – mindestens 30 Jahre –, als wir an einem langen Tisch im Vereinsbüro des „Arbeitskreises Rationalisierung“ saßen, der später unter dem pragmatischen Namen „Technik und Leben“ bekannt wurde. Wie so oft drehten sich unsere Gespräche um Psychologie, Informatik, das Leben und das Sein. Und natürlich darum, wie wir die arbeitenden Massen dazu bringen könnten, ihre Computer mit Cola in die Tastatur zu fluten oder sie anderweitig an die Wand zu spielen. Es war eine Zeit voller Diskussionen, Ideen und – zugegeben – auch ein bisschen Chaos.

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