Mühe-Prinzip

… Warum es oft besser ist, sich Mühe zu geben, als sie zu vermeiden!

Ein Satz, den man immer wieder hört: „Ich will es später leichter haben.“
Das klingt vernünftig. Wer würde nicht versuchen, Mühe zu sparen, wenn es geht?

Es ist schon 10 Jahre oder länger her, als ein guter Bekannter aus dem weiteren Bonner Umfeld, damals Mitte 50, sich vor eine  Entscheidung gestellt hatte. Er überlege, in eine altersgerechte Wohnung zu ziehen – Aufzug, keine Treppen, alles bequem erreichbar. Auf die Frage, ob ihm das Treppensteigen aktuell schwerfalle, sagte mein Freund Günther: „Noch nicht. Aber ich bin ja auch erst 55.“

Genau darin könne der Denkfehler liegen – Mühe muss vermieden werden?

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Keine Panik vor blauen Balken – bürgerliche Politik mit den Linken

ARD-Sonntagsfrage Juli 2026

ARD-Sonntagsfrage Juli 2026 – die restlichen 13 % liegen unter der 5%-Grenze

Man kann die aktuellen Umfragen in Deutschland zum Wahlverhalten lesen als das, was sie sind: ein politisches Stimmungsbild, kein Weltuntergang. Wer heute auf die hohen Werte der AfD starrt, sieht vor allem eines: die Dauerkrise der bisherigen politischen Mitte. Doch die eigentliche Pointe liegt nicht in der bloßen Stärke der Rechten, sondern in der Frage, welche Mehrheiten sich gegen sie überhaupt noch bilden lassen.

Die naheliegende Versuchung besteht darin, die Republik in ein schockiertes Lager und ein resigniertes Lager zu teilen. Das hilft nicht weiter. Denn die Zahlen zeigen zugleich etwas anderes: Es gibt in Deutschland weiterhin einen erheblichen Raum für eine bürgerliche, demokratische Gegenperspektive, die nicht nach rechts kippt und sich nicht in Symbolpolitik erschöpft. Diese Perspektive wird, ob man das nun mag oder nicht, nur mit der Linken denkbar. Weiterlesen

Wenn 40 Grad maximale Tagestemperatur normal werden

Screenshot Tagesthemen 30.6.2026

Screenshot Tagesthemen 30.6.2026

Es gibt Fernsehmomente, die bleiben hängen, weil sie mehr zeigen als nur die üblichen Bilder. So ein Moment war die Wettergrafik in den Tagesthemen  vom 30.6.2026 mit Sven Plöger ab der 32. Minute. Auf den ersten Blick wirkt dieses Diagramm schlicht: rote Balken, Jahreszahlen, erreichte Maximaltemperaturwerte. Doch die Aussagen dahinter sind bemerkenswert. Sie machen sichtbar, dass 40 Grad in Deutschland nicht mehr nur als meteorologische Ausnahme vorkommen, sondern im Juni 2026 zur allgemeinen Regel geworden sind.

Genau darin liegt die eigentliche Nachricht. Die Grafik verweist nicht auf einen einzelnen heißen Tag und auch nicht auf kurzfristige Ausreißer. Sie zeigt eine exponentielle Entwicklung, die sich über die Zeit verdichtet hat und die sich noch weiter verstetigen wird. Wo solche Werte gar nicht gemessen werden konnten (1950er-Jahre bis zu den 1980er-Jahren) oder einzelne Ausreißer waren (bis Mitte Juni 2026), sind sie ab dem letzten Wochenende zum Normalfall geworden: Tageshöchsttemperaturen von 40 Grad oder mehr, überall in Deutschland, am Meer mit Windböen, in der Stadt am schattigen Brunnen, im Biergarten neben der Almweise, einfach überall.

Das ist deshalb so auffällig, weil die Schwelle von 40 Grad im deutschen Wetteralltag bisher kaum eine Rolle spielte. Vor allem vor den 1980er Jahren war sie kein Wert, der das öffentliche Bild vom Sommer geprägt hätte. Stattdessen waren Schlager populär, wo gefragt wurde: Wann wird es endlich wieder richtig Sommer? Es gab zwar einzelne heiße Tage. Aber diese standen nicht für ein Muster. Heute ist das anders. Die Grafik zeigt klar auf, dass die Häufung solcher Extremwerte in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat und das es jetzt – Ende Juni 2026 zum Normalzustand – geworden ist. Zwar gibt Sven Plöger keine Prognose ab, aber für mich ist klar. Diese zweistellige Zahl für 2026 könnte bereits in diesem Jahr 3 stellig werden, vielleicht im August; und in den Folgejahren wird dreistellig zum Normalfall und man wird sich nicht nur fragen, ob die Klimaanlage noch genügend Power hat, sondern auch, wann die Vierstelligkeit erreicht sein wird. Wann wird es endlich wieder den Sommer von Rudi Carrell geben, mit Nässe, Pullover und Lagerfreuer zur Mittagspause? Weiterlesen

KI, Autorschaft und Verantwortung: Warum ein aktueller FAZ-Text zu kurz springt

Screenshot Faz

Screenshot Faz

Moritz Rinkes Text bei der FAZ „Warum lassen wir zu, dass die KI uns verblödet?“ greift ein reales Unbehagen auf. Viele nutzen KI längst nicht mehr nur zur Recherche, sondern auch zum Formulieren, Strukturieren und Überarbeiten von Texten. Genau an diesem Punkt setzt Rinkes Warnung an: Wer zu viel an die Maschine delegiert, riskiere den Abbau eigener Denkfähigkeit. Das ist als Alarmruf verständlich. Aber die Argumentation bleibt in einem zentralen Punkt unterkomplex.

Denn das eigentliche Problem ist nicht, ob ein Text irgendwie „von KI geschrieben“ wurde. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Hat der Autor den Text geprüft, verstanden, sich zu eigen gemacht und dafür Verantwortung übernommen? Weiterlesen

Bücher, KI und steile Thesen …

Büchervernichtung, ökologisch korrekt

Büchervernichtung

… Eine kritische Auseinandersetzung mit Scobels Video zu großen Büchervernichtung

Gert Scobel stellt in seinem Video eine Frage, die nicht nur kulturkritisch, sondern tatsächlich relevant ist: Was geht verloren, wenn Bücher verschwinden, digital ersetzt werden oder in einer immer stärker von KI geprägten Medienwelt ihre frühere Selbstverständlichkeit verlieren? Diese Grundfrage ist weder nostalgisch noch belanglos. Sie berührt Fragen von Aufmerksamkeit, Verlässlichkeit, kultureller Überlieferung und der Materialität von Wissen.

Gerade deshalb ist es schade, dass die Argumentation im Verlauf des Videos immer wieder unter steilen Thesen leidet, die mehr behaupten als die empirische Lage hergibt. Scobel beobachtet vieles richtig oder zumindest bedenkenswert, aber er neigt dazu, Einzelbeobachtungen rhetorisch in allgemeine Diagnosen zu verwandeln; doch bevor Du als Blog-Leser zu dieser Erkenntnis oder einer anderen kommen kannst, sollte man sich das kurze Video in aller Ruhe anschauen.

Die Ausgangsfrage, warum werden jetzt so viele Bücher in den Müll geworfen, ist spannend.
Scobel legt also direkt los: Weiterlesen

CrankGPT oder die Rückkehr der Mühe

Screenshot CrankGPT bei squeezlabs

Screenshot CrankGPT bei squeezlabs

Es gibt Erfindungen, die wirken, als hätten sie sich beim Entstehen schon verausgabt. CrankGPT gehört in diese Kategorie. Ein kleines Kästchen, eine Handkurbel, ein Bildschirmchen, dazu der Anspruch, eine „fully offline, human-powered local AI“ zu sein. Das klingt nach digitaler Souveränität und technischer Selbstermächtigung — und zugleich nach einem Gerät aus einer Parallelwelt, in der der Fortschritt beschlossen hat, wieder etwas Muskelmasse aufzubauen.

Der Screenshot, der mit dem Verweis auf eine englische Website von squeezlabs erstellt wurde, zeigt das Prinzip besser als jede Produktbeschreibung. Das Ding steht da wie ein Bastelprojekt mit philosophischem Überbau. Nicht im Sinn von: Hier wurde die Zukunft gebaut. Eher: Hier wurde der Widerspruch zwischen Zukunftsversprechen und handwerklicher Wirklichkeit absichtlich auf Blickgröße gebracht. Das ist sicherlich kein Zufall, sondern die Pointe. Weiterlesen

Postmoderner Totalitarismus

Ausriss: taz von heute https://taz.de/Solidaritaet-mit-Protesten-in-Georgien/!6188255&s=Schl%C3%B6gel/

Ausriss: taz von heute https://taz.de/Solidaritaet-mit-Protesten-in-Georgien/!6188255&s=Schl%C3%B6gel/

Der Begriff „postmoderner Totalitarismus“ taucht in der jüngsten Debatte um Russland erneut auf. So äußert sich den Osteuropa-Historiker Karl Schlögel, der das gegenwärtige Herrschaftssystem in Russland als postmodernen Totalitarismus charakterisiert. Gemeint ist damit ein Regime, das einerseits an klassische totalitäre Traditionen anknüpft, zugleich aber mit zeitgenössischen, medial hochgradig flexiblen Formen von Propaganda und Desinformation operiert. Wer sich mit der wechselhaften Geschichte der beiden Begriffe Postmodern und Totalitarismus etwas auskennt, der stellt sich mit dem heutigen Taz-Artikel natürlich die Frage, wie treffend denn diese plakative Zuschreibung sein kann, wenn innerhalb der Sozialwissenschaften keine Einigkeit vorliegt, was Postmodern oder Totalitarismus eigentlich bedeuten soll oder kann. 

In dem Artikel der Taz zu Schlögels postmodernen Totalitarismus Begriff wird diese Diagnose im Kontext einer Preisverleihung in Georgien aufgegriffen und knapp skizziert. Schlögel betont, wie das russische Regime ein ideologisch-kulturelles „Hybrid“ konstruiert, in dem sich Elemente orthodoxer Religion, imperialer Geschichtsbilder und antiwestlicher Rhetorik überlagern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die systematische Verwischung der Grenze zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Realität und Fiktion: Nicht mehr die eine verbindliche Doktrin steht im Vordergrund, sondern ein zynischer Umgang mit widersprüchlichen Narrativen, der jede stabile Orientierung untergräbt. Weiterlesen

Moderner Magazinjournalismus mit und über KI

Monitor

Monitor

Es geht in diesem Blogartikel um einen Beitrag des Politik-Magazins Monitor, den man jetzt schon über YouTube abrufen kann. Es geht um KI und die Zukunft der Arbeitsplätze.

Auch dieser Umgang des modernen Magazinjournalismus (mit oder ohne Künstlicher Intelligenz) folgt, wie schon seit langem, einem klaren Muster: Zuerst wird eine steile These gesetzt, dann folgt eine Expertenstimme, anschließend eine Auswahl passender Zahlen oder Beispiele. Das ist journalistisch nicht neu, wirkt aber im KI-Kontext besonders stark, weil die KI-Technologie selbst so komplex ist und sich leicht in große Zukunftserzählungen einbauen lässt. Gerade im Fernsehen entsteht daraus schnell der Eindruck, man habe bereits eine belastbare Diagnose über die Zukunft von Arbeit, Staat und Gesellschaft vor sich, wenn man nur geschickt die Fragestellungen an Experten oder KI-Werkzeuge stellen könnte.

Ein Beispiel Weiterlesen

Neuauflage der schwarz-grünen Pizza-Connection?

schwarz-grüne-Pizza, leider verbrannt, aber es gibt roten Wein

schwarz-grüne-Pizza, leider verbrannt, aber es gibt roten Wein

Heute hat die alternative Tageszeitung TAZ nach langen Jahren der Vergessenheit wieder mal die schwarz-grüne-Pizza-Connection in Erinnerung gerufen. Union und Grünen wird vom Chefreporter zugerufen: Esst mal wieder Pizza! Ich hatte bereits vor 16 Jahren auf die schöne ehemalige Bonner Lokalisation hingewiesen, aber eher mit Skepsis auf die Erwartungen der Potentiale von schwarz-grünen Koalitionen reagiert. Weiterlesen