Weil es keine Linke gibt, bleibt nach allen nur ein Strohmann übrig

Ausriss Taz der verlinkten Webseite vom 27.7.26

Ausriss Taz der verlinkten Webseite vom 27.7.26

Es gibt Texte, die nicht nur gelesen, sondern sofort diskutiert werden. Der Gastkommentar von Zara Rahman in der taz vom 27.7.26 gehört in diese Kategorie. Die Autorin zieht nach 15 Jahren einen Schlussstrich unter ihr Leben in Deutschland und begründet das nicht allein mit dem politischen Rechtsruck, sondern vor allem mit dem, was sie als Selbstbetrug und Heuchelei eines liberalen, urbanen Milieus beschreibt.

Genau genommen müsste man hier schreiben, es geht um bzw. gegen

Die „deutschen Gesellschaft, die sich für progressiv und liberal hält. … Es sind die linksgerichteten Aktivist:innen, die mir ernsthaft sagen, dass sie natürlich gegen Gewalt sind – außer gegen die, die sich gerade gegen Pa­läs­ti­nen­se­r:in­nen richtet. (Zitat gekürzt)

Zara Rahman stört sich daran, dass sich dieses Milieu nicht daran stört, was die arabische Bevölkerung in Israel und in den besetzten Gebieten zu erleiden hat, womit dieses Milieu „Israels Genozid unterstützt“. Da hat sie einen Punkt, genau solche Leute gibt es und sie sind bis in höchste Regierungsreihen überaus einflussreich, aber in vielen Fällen keine Linken (wie Friedrich Merz oder Volker Beck z.B.).

Genau daran entzündet sich nun die Debatte: Trifft Rahman einen wunden Punkt — oder schießt sie über das Ziel hinaus? Leider ist es nicht so, dass eine so einfache Antwort wie, sie hat Recht, schießt aber zugleich über das Ziel hinaus, heutzutage noch möglich erscheint.

Der Streit über ihren kurzen Text ist mehr als eine Reaktion auf einen einzelnen Kommentar. Er berührt die größere Frage, wie sich eine politische Linke in Deutschland verstehen könnte, wo ihre blinden Flecken liegen und wie weit persönliche Enttäuschung in allgemeine gesellschaftliche Kritik noch wirksam werden kann.

Was kritisiert Rahman genau?

Weiterlesen

Früher war alles besser …

Der Mann will auch nur buchen, doch der Algorithmus scheint nicht so mitzuspielen zu wollen

Der Mann will auch nur buchen, doch der Algorithmus scheint nicht so mitzuspielen zu wollen (KI-generiert)

Dieser seltsame Gedanke beschlich mich heute, als ich für einen Kurzurlaub fünf Übernachtungen in einem Apartment in Trier buchen wollte und dabei die Erfahrung machte, dass Digitalisierung vieles anders, aber nicht besser macht. Früher hätte man einen Anbieter recherchiert, angerufen und alles telefonisch geklärt. Später konnte man eine Buchung per E-Mail oder Formular meist schnell und sicher erledigen. Man hatte das Gefühl, es geht flott voran, und wusste jederzeit, wo man im Prozess steht.

Heute ist das anders. Man wählt ein passendes Apartment aus und beginnt den Buchungsprozess mit einem Login. Am besten am Desktop-Rechner, weil man dort noch einfacher auf andere Informationsquellen zurückgreifen kann. Noch geht das — demnächst vielleicht nur noch mit einer speziellen App.

Also erst einmal Login. Aber nicht mit E-Mail-Adresse und Passwort, sondern mit einem Bestätigungscode, der per E-Mail verschickt wird und den man in einem anderen Tab abrufen muss. Schon an dieser Stelle kann man den ersten Fehler machen: nicht die E-Mail-Adresse anzugeben, die das System erwartet, also die, mit der man früher schon einmal angemeldet war. Eine andere Adresse funktioniert zwar auch, aber dann hat man unversehens einen zweiten Account angelegt — was später durchaus noch relevant werden kann. Weiterlesen

Über dem Rhein sitzend, kann man auch über Langlebigkeit nachdenken und sprechen

MS-Wissenschaft in Bonn

MS-Wissenschaft in Bonn

Auf der MS Wissenschaft in Bonn ließ sich an diesem heißen Juliabend sehr gut beobachten, wie fruchtbar ein öffentliches Wissenschaftsgespräch sein kann, wenn es weder in Reklame für einen Trend noch in akademische Abschottung sich verirrt. Die Veranstaltung „Dialog an Deck: Gesund länger leben: Was steckt hinter dem Longevity-Trend?“ fand am Samstag den 11. Juli 2026 ab 18:30 an Bord des Ausstellungsschiffs  MS Wissenschaft statt und war als öffentlicher, kostenloser Diskussionsabend angekündigt.

Schon der Ort arbeitete für den Abend mit. Das Schiff am Bonner Stresemannufer, die Wärme des Tages, das Deck, die Nähe zum Wasser und die leichte Enge des Raums gaben der Diskussion etwas zugleich Konzentriertes und Sommerliches. Die MS Wissenschaft liegt in Bonn vom 10. bis 13. Juli 2026; die Abendveranstaltung gehörte zum begleitenden Programm der Tour.

Obwohl es ziemlich heiß und schwül war, passte der Rahmen sehr gut

Der Abend war Teil der Reihe „Dialog an Deck“ und wurde im Kontext des Wissenschaftsjahres sowie der DFG präsentiert. Das merkte man dem Format an: Hier sollte kein modischer Gesundheitsabend stattfinden, sondern ein wissenschaftlich fundiertes, öffentliches Gespräch über einen Begriff, der längst zwischen Forschung, Markt und Selbstoptimierung zirkuliert (Quelle: https://www.dfg.de/de/aktuelles/digitale-formate/wissenschaftsjahre/2026/dialog-an-deck).

Moderiert wurde die Veranstaltung von Tobi Strauss von WDR 5; auf dem Podium saßen Prof. Dr. Maria Cristina Polidori von der Universität zu Köln und Dr. Jonas Pöld von der Universität Münster. Besonders stark war, dass die Runde nicht nur medizinische, sondern auch begriffliche und philosophische Fragen zuließ. Gerade bei einem Thema wie Longevity, das sich so leicht in Werbeversprechen auflöst, war das ein großer Gewinn. (siehe auch Anmerkung 1)

Die starke Stimme des Abends …

Weiterlesen

Die Wende ins Offene beginnt, wenn du bereit bist, das Bestehende nicht nur negativ zu sehen

„Die Wende ins Offene beginnt, wenn du bereit bist, das Bestehende nicht nur negativ zu sehen.“

„Die Wende ins Offene beginnt, wenn du bereit bist, das Bestehende nicht nur negativ zu sehen.“

Die Wende ins Offene: Über einen Spruch, der Potential hat

Es ist schon eine Weile her – mindestens 30 Jahre –, als wir an einem langen Tisch im Vereinsbüro des „Arbeitskreises Rationalisierung“ saßen, der später unter dem pragmatischen Namen „Technik und Leben“ bekannt wurde. Wie so oft drehten sich unsere Gespräche um Psychologie, Informatik, das Leben und das Sein. Und natürlich darum, wie wir die arbeitenden Massen dazu bringen könnten, ihre Computer mit Cola in die Tastatur zu fluten oder sie anderweitig an die Wand zu spielen. Es war eine Zeit voller Diskussionen, Ideen und – zugegeben – auch ein bisschen Chaos.

Weiterlesen

Wie überzeugt man Gesprächspartner richtig?

Immer wieder erlebt man in Diskussionen, dass man trotz starker Argumente und gutem empirischen Materials den Gesprächspartner nicht überzeugen kann. Leute glauben zum Beispiel an einfache Wetterregeln („nach einem Vollmond ändert sich das Wetter immer“), obwohl empirische Daten und wissenschaftliche Zusammenhänge klar zu anderen Ergebnissen kommen. Sind die Gesprächspartner einfach nur starrköpfig oder gar zu dumm oder zu faul, ihre fehlerhafte Weltsicht zu korrigieren? Sebastian Herrmann beschäftigt sich grundlegend mit dieser Frage und kommt zu interessanten Ergebnissen. Seine „Psychotricks“ sollen helfen im Umgang mit Verschwörungstheoretikern und Fundamentalisten, sollten aber auch dabei nützlich sein, wenn man den eigenen Partner oder Chef beeinflussen will. Welche Hinweise liefert Herrmann genau und können diese die von ihm prophezeite Leistung tatsächlich erbringen? Weiterlesen

Facebook-Likes: Algorithmen erkennen uns besser als unsere Freunde

Vor und nach dem Liken Facebook

Vor und nach dem Liken Facebook

Viele Internetnutzer des sozialen Netzwerks Facebook liken gerne. Das heißt, sie geben innerhalb oder außerhalb von Facebook eine Bewertung ab, die innerhalb des Netzwerkes dokumentiert wird (vgl. Ausschnitt meiner Facebook-Webseite vor und nach einem Like für ein Gomera-Foto). Die Nutzer denken, sie handeln spontan und man könnte wohl kaum aus diesen willkürlichen Likes viel über sie herausbekommen. Doch die Wissenschaft ist anderer Meinung. Michal Kosinski von der Standford-Universität hat kürzlich eine Untersuchung veröffentlicht, die beweisen soll, dass seine Computer-Algorithmen uns Menschen über die Auswertung von Facebook-Likes besser beschreiben können, als dies unsere Freunde tun können, die uns im wahren Leben sehr gut kennen. Was ist dran an dieser sehr steilen These? Weiterlesen

Angela Merkel und der hässliche Deutsche

Angela Merkel sackt mit ihren Zustimmungswerten bei den deutschen Wählern ab, die Leitmedien der Deutschen spekulieren über ihre Absetzung. Viele Journalisten, Internetkommentar-Schreiber und noch mehr Wähler stehen eher auf Leute wie die Weinkönigin Julia Klöckner oder den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Erstere möchte an den Grenzen Lager errichten, um dort Flüchtlinge und Immigranten besser verwalten zu können; letzterer fordert seit Monaten eine Begrenzung der Zuwanderung, ohne sagen zu können, wie diese durchzusetzen wäre. Wenn ich mich aber bei meinen linken Freunden umhöre, dann haben diese nur gute Worte für unsere Angela. Auch die Flüchtlinge, die Dank Angela Merkels beherztem Auftreten („Wir schaffen das!“) ihren Kriegs- und Elendsgebieten entfliehen konnten, sind voll des Lobes für die „mächtigste Frau der Welt“. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Weiterlesen

Spitzer Cyberkrank – eine Rezension

 Manfred Spitzer ist ein nicht nur Psychiater, sondern auch ein sehr bekannter Bestseller-Autor mit Themen aus den Bereichen Psychologie und Neurowissenschaften. Richtig erfolgreich ist er allerdings mit Büchern, die durch einen stark alarmistischen Ton geprägt sind. Nach dem Buch „Vorsicht Bildschirm!“ (2005), folgte die Entdeckung „Digitale Demenz“ (2012) und nun werden mit „Cyberkrank“ die Digitalisierung und das Internet als umfassende Gesundheitsbedrohung beschrieben. Spitzer gelingt es, eine Vielzahl von bedrohlichen Faktoren plakativ aufzuzeigen, doch seine Argumentation kann seinen eigenen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht werden. Da passt es dann auch ganz gut, wenn die Vorschläge zur Überwindung von Cyberkrankheit eher knapp ausfallen und nur wenige Anwendungsmöglichkeiten bieten können. Weiterlesen

Das Gomera-Prinzip bei der Gestaltung und Steuerung von Urlaubserlebnissen und Urlaubskommunikation

Jeder möchte gerne individuell Urlaub machen. Ohne Stress und lange Anreise kommt man am Urlaubsort an, findet dort ideale Bedingungen für Entspannung und Erlebnismöglichkeiten vor. Das Klima ist angenehm, Kommunikationsmöglichkeiten sind wie gewünscht leicht zu finden und man möchte am liebsten den Urlaub endlos verlängern. Allerdings zeigt die Urlaubspraxis, dass diese Wünsche meilenweit von der Realität entfernt sind. Woran das liegt, soll an anderer Stelle geklärt werden. Ich möchte nur auf eine andere Art von Urlaub verweisen, wie ich sie sehr häufig auf Gomera erlebt habe:

Gomera

Gomera

Das Gomera-Prinzip bei der Reiseplanung und Reisegestaltung kann allerdings bei fast jedem Urlaubs- und Freizeiterlebnis genutzt werden, um dieses hinsichtlich der oben geschilderten Erwartungen zu verbessern.

Wofür Gomera im Gomera-Prinzip steht

Der Verweis auf Gomera im Gomera-Prinzip ist allerdings hier nur als ein Verweis auf eine Art der Urlaubsgestaltung gemeint, die anders ist, als man sie durch Tourismus-Planung und Reise-Industrie gewöhnlich serviert bekommt. Weiterlesen

Traumpfad Eltzer Burgpanorama

Trampfade gibt es nicht so viele. Insbesondere in der Region Mosel, Eifel und Rhein hat es aber bei den Kommunalverwaltungen motivierte Tourismusmanager gegeben, die den Traumpfaden eine nachgehbare Bedeutung geben konnten. Eine der schönsten Strecken ist der Traumpfad Eltzer Bergpanorama.

Traumpfad: Interessante Wanderung mit bemerkenswertem Höhepunkt in der Mitte

Hinter dem Konzept Traumpfade steht eine innovative Idee, auch weniger erfahrene Spaziergänger von den Möglichkeiten des Wanderns zu überzeugen. Es wurden in der Eifel und an Mosel und am Rhein Wanderstecken konzipiert bzw. konstruiert, die durch folgende Prinzipien gekennzeichnet sind: Weiterlesen