Vor ungefähr vier Monaten gab es ein paar Tage helle Aufregung, weil die verantwortliche Berliner Politik so wirkte, als ob man ein jahrzehntealtes Problem kurzfristig lösen könnte. Das Problem heißt „Scheinselbständigkeit“ und die Lösung sollte sein „neue Selbständigkeit“. Nun hört man nichts mehr davon, vielleicht haben die Verantwortlichen in Berlin die Sache schon längst vergessen? Eine aktuelle Recherche, auch mit Hilfe von sogenannter künstlicher Intelligenz (hier perplexity.ai) zeigt, dass dem nicht so ist. Allerdings zeigt das Recherche-Werkzeug auch, dass für eine kurzfristige oder mittelfristig umsetzbare neue Selbstständigkeit kaum eine Chance besteht.
psychologie
Weil es keine Linke gibt, bleibt nach allen nur ein Strohmann übrig
Es gibt Texte, die nicht nur gelesen, sondern sofort diskutiert werden. Der Gastkommentar von Zara Rahman in der taz vom 27.7.26 gehört in diese Kategorie. Die Autorin zieht nach 15 Jahren einen Schlussstrich unter ihr Leben in Deutschland und begründet das nicht allein mit dem politischen Rechtsruck, sondern vor allem mit dem, was sie als Selbstbetrug und Heuchelei eines liberalen, urbanen Milieus beschreibt.
Genau genommen müsste man hier schreiben, es geht um bzw. gegen
Die „deutschen Gesellschaft, die sich für progressiv und liberal hält. … Es sind die linksgerichteten Aktivist:innen, die mir ernsthaft sagen, dass sie natürlich gegen Gewalt sind – außer gegen die, die sich gerade gegen Palästinenser:innen richtet. (Zitat gekürzt)
Zara Rahman stört sich daran, dass sich dieses Milieu nicht daran stört, was die arabische Bevölkerung in Israel und in den besetzten Gebieten zu erleiden hat, womit dieses Milieu „Israels Genozid unterstützt“. Da hat sie einen Punkt, genau solche Leute gibt es und sie sind bis in höchste Regierungsreihen überaus einflussreich, aber in vielen Fällen keine Linken (wie Friedrich Merz oder Volker Beck z.B.).
Genau daran entzündet sich nun die Debatte: Trifft Rahman einen wunden Punkt — oder schießt sie über das Ziel hinaus? Leider ist es nicht so, dass eine so einfache Antwort wie, sie hat Recht, schießt aber zugleich über das Ziel hinaus, heutzutage noch möglich erscheint.
Der Streit über ihren kurzen Text ist mehr als eine Reaktion auf einen einzelnen Kommentar. Er berührt die größere Frage, wie sich eine politische Linke in Deutschland verstehen könnte, wo ihre blinden Flecken liegen und wie weit persönliche Enttäuschung in allgemeine gesellschaftliche Kritik noch wirksam werden kann.
Was kritisiert Rahman genau?
Gebraucht kaufen: Wann ist ein Preisvorschlag wirklich fair?
Beim Kauf gebrauchter Dinge steht man heute oft vor einer einfachen, aber wichtigen Frage: Wie viel ist ein Artikel noch wert, wenn er nicht mehr neu ist? Früher war das schwerer zu beantworten, weil es fast nur zwei Welten gab: neu mit voller Absicherung oder privat gebraucht ohne jede Sicherheit. Heute hat sich der Markt verändert. Zwischen diesen Polen gibt es immer häufiger generalüberholte, geprüfte oder wie neue angebotene Geräte mit Garantie und Rückgabemöglichkeit.
Genau dadurch lässt sich der Wert eines Gebrauchtartikels viel besser einordnen als früher. Denn ein Preis ist nicht nur eine Frage des Zustands, sondern auch der Sicherheit beim Kauf. Wer neu kauft, bekommt nicht nur das Gerät, sondern auch Garantie, Gewährleistung und Rückgaberecht. Wer gebraucht kauft, verzichtet darauf meist ganz oder teilweise. Daraus ergibt sich eine einfache Überlegung: Je weniger Absicherung ein Angebot bietet, desto niedriger muss der Preis sein.
Warum sich der Markt verändert hat
Scannerkassen: Kundenfreundliche Überwachung – aber nur wenn die Schlangen ganz lang werden
Im REWE in der Bonner Altstadt, in der Heerstraße, habe ich heute etwas erlebt, das ich für ziemlich bezeichnend halte. Dort gibt es ungefähr zwei bediente Kassen und außerdem ungefähr fünf Scannerkassen, also genau jene Selbstbedienungslogik, die außen nach Tempo und Modernität aussieht, in der Praxis aber erstaunlich streng geregelt ist.
Ich stand zunächst ganz normal in der Schlange, die bei mir nicht besonders lang war. Ich zahle nämlich am liebsten direkt an der Kasse und will mich nicht durch die Menüs der Scannerkassen quälen. Das mag für meine Generation noch typisch sein, während jüngere Leute offenbar häufiger zu den Scannerkassen eilen. Vor einigen Wochen fiel mir schon auf, dass diese Scannerkassen nur unter Aufsicht benutzt werden dürfen: Ein Mitarbeiter kontrolliert den Bereich, und eine Art Barriere wird nur dann geöffnet, wenn sich an den bedienten Kassen längere Schlangen bilden.
Damals fragte ich einen Mitarbeiter, warum das so gehandhabt werde. Seine Antwort war schlicht: An den Scannerkassen werde zu viel „Schwund“ gemacht, also zu viel falsch oder ungenau gescannt. Es soll sogar Leute geben, die „vergessen“ die Spare-Rips einzuscannen, was dann Schwund von 7,99 bedeutet. Deshalb wolle man die Scannerkassen nur dann freigeben, wenn die normalen Kassen noch nicht ausgelastet sind. Schon das fand ich bemerkenswert: Eine Technik, die eigentlich Entlastung bringen soll, wird vorsorglich eingebremst. Als ehemaliger Betriebsrat fand ich die Idee gar nicht schlecht, so sichert man Arbeitsplätze … Weiterlesen
Turing-Test

Moderner Turing-Test
Beim Turing-Test soll herausgefunden werden, ob ein Mensch noch zwischen einem Menschen und einem technischen System klar unterscheiden kann. In der modernen Form könnte der Turing-Test so aussehen, dass man gleichzeitig mit einem Chatbot wie ChatGPT und einem Menschen spricht oder schreibt, das jeweilige Gegenüber ist irgendwie entfernt, z.B. nicht unmittelbar sichtbar, sondern nur über ein Computer-Display. Wenn der Mensch als Prüfinstanz scheitert, also nicht sagen, wer der Chatbot oder der Mensch ist, dann hat das technische System den Turing-Test bestanden.
Natürlich ist es nicht so, dass wir in einer normalen Interaktion(Dialog mit Anführungszeichen) mit ChatGPT, nicht merken, dass wir es mit einem technischen System zu tun haben. Geradezu nervig, weist das technische System darauf hin, kein Mensch zu sein. Trotzdem bleiben wir oft länger in der Interaktion, weil wir das Gefühl haben, es lohne sich. Viele sagen sogar, dass sich mit einem modernen KI-Chatbot bessere Gespräche führen können, als mit ihren besten Freunden oder Bekannten. Wenn das so ist, dass hat das technische System den Turing-Test bestanden, ohne dass sich der Mensch als Verlierer fühlen müsste. Weiterlesen
Über dem Rhein sitzend, kann man auch über Langlebigkeit nachdenken und sprechen
Auf der MS Wissenschaft in Bonn ließ sich an diesem heißen Juliabend sehr gut beobachten, wie fruchtbar ein öffentliches Wissenschaftsgespräch sein kann, wenn es weder in Reklame für einen Trend noch in akademische Abschottung sich verirrt. Die Veranstaltung „Dialog an Deck: Gesund länger leben: Was steckt hinter dem Longevity-Trend?“ fand am Samstag den 11. Juli 2026 ab 18:30 an Bord des Ausstellungsschiffs MS Wissenschaft statt und war als öffentlicher, kostenloser Diskussionsabend angekündigt.
Schon der Ort arbeitete für den Abend mit. Das Schiff am Bonner Stresemannufer, die Wärme des Tages, das Deck, die Nähe zum Wasser und die leichte Enge des Raums gaben der Diskussion etwas zugleich Konzentriertes und Sommerliches. Die MS Wissenschaft liegt in Bonn vom 10. bis 13. Juli 2026; die Abendveranstaltung gehörte zum begleitenden Programm der Tour.
Obwohl es ziemlich heiß und schwül war, passte der Rahmen sehr gut
Der Abend war Teil der Reihe „Dialog an Deck“ und wurde im Kontext des Wissenschaftsjahres sowie der DFG präsentiert. Das merkte man dem Format an: Hier sollte kein modischer Gesundheitsabend stattfinden, sondern ein wissenschaftlich fundiertes, öffentliches Gespräch über einen Begriff, der längst zwischen Forschung, Markt und Selbstoptimierung zirkuliert (Quelle: https://www.dfg.de/de/aktuelles/digitale-formate/wissenschaftsjahre/2026/dialog-an-deck).
Moderiert wurde die Veranstaltung von Tobi Strauss von WDR 5; auf dem Podium saßen Prof. Dr. Maria Cristina Polidori von der Universität zu Köln und Dr. Jonas Pöld von der Universität Münster. Besonders stark war, dass die Runde nicht nur medizinische, sondern auch begriffliche und philosophische Fragen zuließ. Gerade bei einem Thema wie Longevity, das sich so leicht in Werbeversprechen auflöst, war das ein großer Gewinn. (siehe auch Anmerkung 1)
Die starke Stimme des Abends …
Mühe-Prinzip
… Warum es oft besser ist, sich Mühe zu geben, als sie zu vermeiden!
Ein Satz, den man immer wieder hört: „Ich will es später leichter haben.“
Das klingt vernünftig. Wer würde nicht versuchen, Mühe zu sparen, wenn es geht?
Es ist schon 10 Jahre oder länger her, als ein guter Bekannter aus dem weiteren Bonner Umfeld, damals Mitte 50, sich vor eine Entscheidung gestellt hatte. Er überlege, in eine altersgerechte Wohnung zu ziehen – Aufzug, keine Treppen, alles bequem erreichbar. Auf die Frage, ob ihm das Treppensteigen aktuell schwerfalle, sagte mein Freund Günther: „Noch nicht. Aber ich bin ja auch erst 55.“
Genau darin könne der Denkfehler liegen – Mühe muss vermieden werden?
Bob Blumes „Schule im AI-Slop“ – visionärer Anspruch oder didaktischer Schweinsgalopp?
Am Abend des 19. Mai 2026 um 18:45 Uhr verwandelte sich die Stage 3 der re:publica in ein pädagogisches Laboratorium. Unter dem provokanten Titel „Schule im AI-Slop“ trat Bob Blume – Autor, „Blogger des Jahres“ und mittlerweile Promovierender an der JKU Linz – an, um die digitale Transformation des Bildungswesens zu sezieren. Der Begriff „Slop“ (Slop steht für „KI-generierter Müll“) diente hier als scharfe Metapher für eine Schule, die im Begriff ist, in der Belanglosigkeit automatisierter Inhalte zu versinken. Blume versuchte, die Rolle des kritischen Aufklärers einzunehmen, wobei allerdings der Rahmen ein strukturelles Paradoxon offenbarte: Während er leidenschaftlich für „digitale Souveränität“ und tiefgründige Reflexion plädierte, erforderte das 30-minütige Kurz-Vortragsformat für seine Argumentation eine Geschwindigkeit, die den eigenen Anspruch an Tiefenschärfe fast zwangsläufig unterlaufen musste. Diese Diskrepanz zwischen dem Plädoyer für Entschleunigung und dem tatsächlichen „Schweinsgalopp“ der Performance ist ein Ausgangspunkt meiner kritischen Überlegungen zu einem Vortrag, der mir durchaus gut gefallen haben könnte.
Anmerkung zum Video: Die 3. – 5. Minute kann man überspringen, hier wartet man nur auf das Ende des Experiments.
Blume plante trotz erkennbarer Zeitnot ein gewagten Manöver: Er sprach nicht nur über Unterricht, sondern versuchte, die gesamte Session als performative Unterrichtsstunde zu maskieren.
Das performative Experiment: Didaktik im Schnelldurchlauf
Diese methodisch-didaktische Inszenierung war kein Zufall, sondern ein strategischer Versuch, die eigene Glaubwürdigkeit als Praktiker vor einem fachlich kompetenten und freundlich gesonnenen Publikum zu einem Experiment zu nutzen. Weiterlesen
Wenn KI Bewusstsein simuliert – Über parasoziale Beziehungen und Abhängigkeit als Geschäftsmodell

Auf der re:publica 26 legte Katja Muñoz eine unbequeme Wahrheit offen: Die zunehmende Vermenschlichung von Künstlicher Intelligenz ist kein technologisches Nebenprodukt, sondern eine gezielte ökonomische Strategie. Wir beobachten einen bewussten Shift weg von der rein „nützlichen KI“, die Probleme löst, hin zur „Seemingly Conscious AI“ – einer KI, die Bewusstsein lediglich simuliert, um menschliche Reflexe auszubeuten. Dieses strategische Täuschungsmanöver dient einem klaren Ziel: die Erzeugung einer parasozialen Dynamik, die den Nutzer emotional bindet. Das Kernproblem ist ethischer Natur: Es handelt sich um ein kalkuliertes Geschäftsmodell der Empathie, das die menschliche Tendenz zur Mustererkennung – die Pareidolie – systematisch monetarisiert, um Abhängigkeiten zu schaffen.
Der psychologische Anker: Warum wir Maschinen vermenschlichen
Die Effektivität dieser Täuschung wurzelt in unserer evolutionären Hardware. Katja Muñoz erläutert dies anhand des Konzepts der Pareidolie.
- Der evolutionäre Mechanismus (04:10): Bekannt als das „Jesus on a Toast“-Phänomen oder das Erkennen von Tierbildern in Wolken, ist dies ein Überlebensmechanismus. Unser Gehirn ist darauf optimiert, „False Negatives“ zu vermeiden; es ist lebenswichtiger, ein Raubtier im Gebüsch zu vermuten, das nicht da ist, als ein echtes zu übersehen.
- Empathie vor Intelligenz (06:30): Die Forschung zeigt eine fatale Fehlwahrnehmung: Der stärkste Prädiktor für zugeschriebenes Bewusstsein ist nicht die intellektuelle Brillanz eines Systems, sondern seine emotionale Ausdrucksfähigkeit. Ein empathisch reagierender Bot, der nach dem Befinden fragt, wirkt auf uns „lebendiger“ als ein hochperformantes, aber klinisch-neutrales Werkzeug.





