CrankGPT oder die Rückkehr der Mühe

Screenshot CrankGPT bei squeezlabs

Screenshot CrankGPT bei squeezlabs

Es gibt Erfindungen, die wirken, als hätten sie sich beim Entstehen schon verausgabt. CrankGPT gehört in diese Kategorie. Ein kleines Kästchen, eine Handkurbel, ein Bildschirmchen, dazu der Anspruch, eine „fully offline, human-powered local AI“ zu sein. Das klingt nach digitaler Souveränität und technischer Selbstermächtigung — und zugleich nach einem Gerät aus einer Parallelwelt, in der der Fortschritt beschlossen hat, wieder etwas Muskelmasse aufzubauen.

Der Screenshot, der mit dem Verweis auf eine englische Website von squeezlabs erstellt wurde, zeigt das Prinzip besser als jede Produktbeschreibung. Das Ding steht da wie ein Bastelprojekt mit philosophischem Überbau. Nicht im Sinn von: Hier wurde die Zukunft gebaut. Eher: Hier wurde der Widerspruch zwischen Zukunftsversprechen und handwerklicher Wirklichkeit absichtlich auf Blickgröße gebracht. Das ist sicherlich kein Zufall, sondern die Pointe. Weiterlesen

Arbeitsrechtliche Konflikte bei der staatlichen Erwachsenenbildung

Verwaltungsgebäude eines Bildungsträgers

Verwaltungsgebäude eines Bildungsträgers

Nur wenige wissen es, aber für die betroffenen Lehrkräfte ist es seit Jahren oder Jahrzehnten ein großes Problem: Öffentlich finanzierte Einrichtungen der Erwachsenenbildung (z.B. staatliche Volkshochschulen oder private Bildungsträger) beschäftigen sogenannte Honorarkräfte, also Dozenten oder Kursleiter, die keinen Arbeitsvertrag, sondern einen Dienstvertrag gemäß dem Paragrafen 611 und folgende des Bürgerlichen Gesetzbuches. Sie sind Honorarkräfte (auch Vertrag über freie Mitarbeit genannt), was nichts anders bedeutet, dass sie formal juristisch wie Selbstständige angesehen werden, also nicht über die Vor- und Nachteile von Arbeitnehmertätigkeit verfügen können.

Inzwischen haben Bildungs- und Sozialpolitiker das Problem auf dem Schirm, aber es wird immer unklarer, wie eine Lösung aussehen könnte. Weiterlesen

Autoren-Relevanz einschätzen, ohne eine Zeile vom Autor zu lesen?

 … wie man Autoren-Relevanz einschätzt, ohne eine Publikation vom Autor zu lesen – und warum Detailtiefe in der Recherche den Relativismus der Philosophie widerlegen kann.

Relativismus in der Philosophie

Relativismus in der Philosophie

Ein bekanntes Bonner Print-Medium berichtete kürzlich über einen jungen Autor, der an der Universität hier studiert und gleichzeitig mehrere Bücher auf dem Buchmarkt platzieren konnte. Die Frage drängt sich mir auf: Wie kann man erfolgreich studieren und gleichzeitig umfangreiche Titel veröffentlichen? Und vor allem: Hat der betreffende Autor überhaupt Relevanz, die eine Lektüre lohnen würde? Um diese Frage zu beantworten, muss man nicht unbedingt seine Bücher sofort lesen. Eine detailreiche Vorrecherche am PC und mit Hilfe des Internets genügt – und sie liefert objektive Schlussfolgerungen, die zugleich die lustige Konsequenz haben, den philosophischen Relativismus zu destabilisieren. Weiterlesen

Ahnenforschung – Thema bei der Friedrich-Spee-Akademie in Bonn

Veranstaltungsort nach Google Maps und Google Flow

Veranstaltungsort nach Google Maps und Google Flow

Die Friedrich‑Spee‑Akademie‑Veranstaltung zur Ahnenforschung am 28.5.2026 in Bonn vermittelte kompakt, wie man systematisch Familiengeschichte recherchiert, zeigte aber auch deutlich die Aufwendigkeit und die Grenzen der Quellenarbeit auf. Referent Werner Zien präsentierte strukturiert Grundbegriffe, Quellenwege und Dokumentationsmöglichkeiten, ohne in technische Details abzudriften.

Einstieg

Aktuell eröffnen freigegebene NS‑Parteikarten und digitalisierte Mitgliederkartei‑Bestände neue Recherchemöglichkeiten für Nachfahren (z.B. hier bei der ZEIT  oder hier beim SPIEGEL), erlauben aber nur begrenzte Schlussfolgerungen und verlangen kritische Einordnung. Zien wies auf diese neuen Zugänge und auf weiterführende Recherchestrategien hin.

Screenshot von SPIEGEL online -bearbeitet

Screenshot von SPIEGEL online – bearbeitet mit Fotosoftware

Wichtige ergänzende Informationen zur NSDAP-Datenbank finden sich hier: https://uebermedien.de/117649/ist-das-nsdap-recherchetool-des-spiegel-wirklich-verlaesslich/

Inhalt und Aufbau

Überzeugend war die klare Gliederung des Vortrags. Zien führte von den Grundbegriffen über die Bedeutung von Namen bis hin zu den wichtigsten Quellen der Recherche und der Dokumentation der Ergebnisse. Dadurch entstand ein nachvollziehbarer roter Faden, der auch für Einsteiger verständlich blieb.

Werner Zien machte deutlich, dass Ahnenforschung weit mehr ist als bloßes Sammeln von Daten. Sie verbindet persönliche Erinnerungen aus dem Umfeld mit amtlichen und öffentlichen Quellen, Kirchenbüchern, Archiven und digital verfügbaren Datenbanken. Hier wurde deutlich, wie sorgfältige Vorgehensweisen möglich sind, um sich Familiengeschichte zu erschließen. Auch durch die Rückfragen der Besucher wurde klar, dass natürlich ein erheblicher Zeitaufwand notwendig ist, wenn man zu Ergebnissen kommen will, die weit in der Vergangenheit zurückführen.

Praxisnähe

Überzeugend gut nachvollziehbar war der praktische Bezug. Anhand konkreter Beispiele – etwa aus Standesämtern, Kirchenbüchern, Testamenten, Archiven und sogar DNA-Analysen – wurde sichtbar, wie unterschiedlich die Wege zur eigenen Herkunft sein können.

Toter Punkt in der Ahnenforschung - KI generiert

Toter Punkt in der Ahnenforschung – KI generiert

Auch die Hinweise auf Reichweiten und Grenzen der Quellen waren interessant. Die Präsentation zeigte, dass Forschung oft an Lücken, Kriegsverlusten oder eingeschränkten Zugängen scheitert, aber gerade darin auch der Reiz liegt, verschiedene Spuren miteinander zu verbinden. Wer selbst in seine Ahnenforschung einsteigen will, der kommt irgendwann zu einem toten Punkt, wo es dann schwierig wird, weiter in die Vergangenheit zu kommen. Hier helfen dann Querverbindungen weiter, etwa über eine Namensrecherche zu Namen von Verwandten, die anders sind als der eigene Name.

Zien machte klar, dass Kriege, Migration und Aktenverluste die Recherche oft stoppen — guter Rat, nicht zu romantisieren, sondern aktenbasiert vorzugehen.

Fun-Facts

Bei älteren Registrierungen gibt es teils seltsame Bezeichnungen und Nummernsysteme (z. B. die Kekule-Nummern  mit denen jeder Vorfahr eine passende Distanznummer zur eigenen Person bekommt) — oder Details wie das „6er-Fahrrand“ auf einem alten Foto, das für Archivierende offenbar praktische, aber für Außenstehende schwer nachvollziehbare Ereignisse offenbarten.

Persönliches Fazit

Insgesamt war es eine gut vorbereitete und strukturierte Veranstaltung, die Wissen vermittelte und zugleich Neugier weckte. Die Mischung aus historischer Einordnung, praktischen Quellenhinweisen und konkreten Beispielen machte Ziens Erfahrungen für das Publikum attraktiv. Wer mit Ahnenforschung beginnen will oder bereits erste Schritte gemacht hat, konnte an diesem Abend sicher vieles mitnehmen.

Die politische Ökonomie der digitalen Republik: Politik, Souveränität und ziviler Widerstand auf der re:publica 2026

 

re:publica 2026

re:publica 2026

Die re:publica 2026 LINK, die unter dem Motto „Never Gonna Give You Up“ in Berlin im Mai stattfand, bot eine zentrale Plattform, um die Schnittstellen von Netzpolitik, administrativer Modernisierung und der Widerstandsfähigkeit der Zivilgesellschaft zu analysieren. Die Debatten offenbarten ein komplexes Spannungsfeld zwischen staatlicher Steuerung, wirtschaftlichen Abhängigkeiten von Technologie-Monopolen und basisdemokratischem Aktivismus.

 

Im Folgenden werden im Internet frei verfügbare Quellen anhand der drei Kernbereiche der politischen Ökonomie der digitalen Republik zusammengefasst: Weiterlesen

Die 20er-Jahre aus der Sicht der Bundeskunsthalle

Die Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert derzeit eine umfangreiche Ausstellung zu den 1920er Jahren, die als Umbruchphase und Experimentierfeld der westlichen Moderne verstanden wird. Die Ausstellung mit dem Titel „1920er!“ dokumentiert Parallelen zwischen der damaligen Zeit und der Gegenwart, die bisher nicht unbedingt im Fokus standen.

Rennauto-20er-Jahre

Rennauto-20er-Jahre

Die Ausstellung zeigt tendenziell eine Vielfalt an unterschiedlichen Bildern und Stimmen, die die Gleichzeitigkeit und Radikalität dieser Epoche widerspiegeln können. Dabei werden auch politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen in den Vordergrund gestellt. Die Besucher können partiell in die Welt der 1920er Jahre eintauchen und sich mit den Themen dieser Epoche auseinandersetzen. Weiterlesen

Museumsmeilenfest

Bundeskunsthalle persischer Garten

Bundeskunsthalle persischer Garten

Die Bundeskunsthalle Bonn ist auch dieses Jahr am Fest der Museumsmeile beteiligt. Diesmal ist es gleichzeitig die 25 Jahresfeier. Natürlich stehen die gegenwärtig relevanten Ausstellungen im Mittelpunkt des Events. Es gibt ein großes Familienprogramm mit vielen Führungen, lernaktiven Mitmach-Workshops, und vielen weiteren spannenden anderen Aktionen.

Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen ist wie immer kostenfrei. Am Samstag und Sonntag können sich die Besucher auch am freien Eintritt in den Ausstellungen erfreuen. Die Termine sind Samstag, 17. Juni 2017 und Sonntag, 18. Juni 2017 jeweils 11 bis 17 Uhr.

Das Foto in diesem Beitrag ist von mir selbst erstellt.