Das Mobbing-Konzept als Erklärungsansatz in den Sozialwissenschaften ist umstritten. Viele halten die Vorstellung von Mobbing für problematisch, die von einen einfachen Täter-Opfer-Verhältnis auszugeht, wenn eine Mobbing-Situation vorliegt. Tatsächlich sind die Verhaltensweisen der Beteiligten miteinander verschränkt. Zugespitzt ausgedrückt: Täter und Opfer sind möglicherweise beim Mobbing austauschbar. Dies gilt nicht nur, aber besonders auch in der Schule, denn für Lehrer und Eltern ist oft nicht feststellbar, wer den Ausgangspunkt für ein mögliches Mobbing gesetzt hat. Mobbing an der Schule ist dennoch ein beliebtes Thema in den Medien.
Diese allgemeinen theoretischen Überlegungen können bei Mobbing-Fällen in der Schule durchaus sehr praktisch angewandt werden. Man muss dem vermeintlichen Mobbing-Opfer klar machen, dass es auch Akteur ist, dass seine Verhaltensweisen mit verursachend für die Handlungssituation ist, bei der Mobbing in der Schule möglich wurde.
Das erscheint schwierig, denn die Betroffenen erleben sich beim Mobbing nicht nur an der Schule als handlungsunfähige Opfer. Wären sie es wirklich, dass wäre ihnen aber auch kaum zu helfen. Man könnte sie höchstens aus der Mobbing-Situation herausnehmen und auf eine andere Schule schicken. Möglicherweise wäre das aber keine Lösung wenn die Mobbing-auslösenden Verhaltensweisen an der neuen Schule erneut produziert und reproduziert werden.
Die wirksamste Methode der Mobbing-Prävention nicht nur an der Schule ist die Verhaltensänderung. Dabei ist es zunächst völlig unbedeutend, in welche Richtung die Verhaltensänderung des Kindes an der Schule geht. Hauptsache es wird was geändert, damit dem Mobbing an der Schule veränderte Rahmen gesetzt wird. Einem Kind, das bisher sich häufig am Unterricht der Schule beteiligt, könnte man raten, dies für eine gewisse Zeit zu reduzieren. Ein Kind das bisher wenig am Unterricht beteiligt war, sollte versuchen dies auch ändern und zwar zunächst ohne Rücksicht auf den Erfolg der Interventionen beim Mobbing.
In Rollenspielen kann ein neues Verhalten trainiert und Schritt für Schritt als Mobbing-Prävention an der Schule nutzbar gemacht werden. Gruppentherapie als Mobbing-Prävention ist nicht nur an der Schule der Einzeltherapie vorzuziehen. Dabei sollten in jeder Sitzung möglichst eine neue Verhaltensvariante für jede Situation an der Schule – nicht nur für die Mobbing-Situation – erprobt werden. Im Sinne der kognitiven Verhaltenstherapie sollte auch geprüft werden, ob die neuen Verhaltensvarianten gegen Mobbing an der Schule in der Praxis angewandt werden und wie erfolgreich sie ist.

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In vielen Schulen ist wirklich so, dass die Lehrer das sehen aber stumpf nichts dagegen unternehmen. Man merkt einfach, dass sie sich von dieser Mobbing Problematik fernhalten wollen und deswegen einfach nichts dagegen machen. Echt schade sowas…. Die Lehrer sollten eingreifen, wenn sie etwas bemerken, denn viele schaffen es nicht alleine und sind auf die Hilfe der Lehrer angewiesen.
der Hinweis, dass wir heute sehr viel sensibler mit jeder Form von Gewalt umgehen und Vorgänge, die früher als tolerables Gruppenverhalten galten, in Einzelfällen möglicherweise voreilig unterbinden, kann und darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Mobbing – egal in welcher Form – für den Betroffenen Horror ist.