Wenn 40 Grad maximale Tagestemperatur normal werden

Screenshot Tagesthemen 30.6.2026

Screenshot Tagesthemen 30.6.2026

Es gibt Fernsehmomente, die bleiben hängen, weil sie mehr zeigen als nur die üblichen Bilder. So ein Moment war die Wettergrafik in den Tagesthemen  vom 30.6.2026 mit Sven Plöger ab der 32. Minute. Auf den ersten Blick wirkt dieses Diagramm schlicht: rote Balken, Jahreszahlen, erreichte Maximaltemperaturwerte. Doch die Aussagen dahinter sind bemerkenswert. Sie machen sichtbar, dass 40 Grad in Deutschland nicht mehr nur als meteorologische Ausnahme vorkommen, sondern im Juni 2026 zur allgemeinen Regel geworden sind.

Genau darin liegt die eigentliche Nachricht. Die Grafik verweist nicht auf einen einzelnen heißen Tag und auch nicht auf kurzfristige Ausreißer. Sie zeigt eine exponentielle Entwicklung, die sich über die Zeit verdichtet hat und die sich noch weiter verstetigen wird. Wo solche Werte gar nicht gemessen werden konnten (1950er-Jahre bis zu den 1980er-Jahren) oder einzelne Ausreißer waren (bis Mitte Juni 2026), sind sie ab dem letzten Wochenende zum Normalfall geworden: Tageshöchsttemperaturen von 40 Grad oder mehr, überall in Deutschland, am Meer mit Windböen, in der Stadt am schattigen Brunnen, im Biergarten neben der Almweise, einfach überall.

Das ist deshalb so auffällig, weil die Schwelle von 40 Grad im deutschen Wetteralltag bisher kaum eine Rolle spielte. Vor allem vor den 1980er Jahren war sie kein Wert, der das öffentliche Bild vom Sommer geprägt hätte. Stattdessen waren Schlager populär, wo gefragt wurde: Wann wird es endlich wieder richtig Sommer? Es gab zwar einzelne heiße Tage. Aber diese standen nicht für ein Muster. Heute ist das anders. Die Grafik zeigt klar auf, dass die Häufung solcher Extremwerte in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat und das es jetzt – Ende Juni 2026 zum Normalzustand – geworden ist. Zwar gibt Sven Plöger keine Prognose ab, aber für mich ist klar. Diese zweistellige Zahl für 2026 könnte bereits in diesem Jahr 3 stellig werden, vielleicht im August; und in den Folgejahren wird dreistellig zum Normalfall und man wird sich nicht nur fragen, ob die Klimaanlage noch genügend Power hat, sondern auch, wann die Vierstelligkeit erreicht sein wird. Wann wird es endlich wieder den Sommer von Rudi Carrell geben, mit Nässe, Pullover und Lagerfreuer zur Mittagspause?

Bemerkenswert ist also nicht nur die Höhe der Werte, sondern ihre Verteilung. Wenn an immer mehr Stationen Temperaturen von 40 Grad und mehr gemessen werden, dann handelt es sich nicht mehr um ein lokales Phänomen. Dann wird aus einem einzelnen Wetterereignis eine breitere Entwicklung. Auch Orte knapp unterhalb dieser Schwelle sind dabei keineswegs kühl. Wer 37 oder 38 Grad als Normalzustand erlebt, der kann auch nicht mehr richtig arbeiten oder seine Freizeit genießen. Wenn eine 3 vorne ist, dann lässt man alles das eher sein und legt sich in den Schatten oder geht in den Keller. Die erstrebte 3 vorne in den 1970er-Jahren ist ab 2026 zur gehassten 4 vorne geworden und für die Enkel ist die 5 vorne die zu erwarteten Perspektive.

Die Stärke der Grafik liegt deshalb in ihrer Einfachheit und Klarheit. Sie braucht keine große Dramatisierung, weil die Zahlen für sich sprechen. Gerade die nüchterne Darstellung macht deutlich, dass hier offenbar mehr passiert als eine normale Schwankung. Es ist ein Wandel im Maßstab des Gewohnten — einer, der sich nicht in einer Schlagzeile erschöpft, sondern als längerfristige Verschiebung erkannt werden muss – Stichwort Klimakatastrophe.